Kategorien
Allgemein

Protektoreinbau Taxi

Aufgelegter Protektor (Quelle: PinNin)

Um einen Protektor einzubauen kann es verschiedene Gründe geben. Sei es um bei einem neuen Gerät den Wert zu erhalten, weil das Spielfeld Risse bekommt hat, die Inserts schon ein wenig gearbeitet haben, oder Inserts verformt sind und den Kugellauf beeinflussen.

Der folgende Beschreibung hat das Ziel dem Anfänger, der vielleicht seinen ersten Protektor einbaut, und auch dem erfahrenen Flipperfan meine Erfahrungen mitzuteilen. Da ich selber schon alle Bereich durchlebt habe, würde ich mich als erfahren einstufen. Mit durchlebt meine ich, dass ich vom Konzept, der CAD Zeichnung, Prototypen lasern mit abschließendem Serientest, alle Bereiche eines Protektors durchlebt habe. Auch erkläre ich aus meiner Sicht, wann ein Protektor sich möglicherweise nachhaltig nicht wölbt, aber alles zu seiner Zeit.

Der Eintrag thematisiert nicht den Einbau von Protektoren bei modernen Flippern. Bei modernen Flippern wie z. B. Ghostbusters, die teilweise sehr steile Rampen haben, oder enge Kugelwege haben, ist es manchmal notwendig zusätzlich zum Protektor weiter Anpassungen vor zu nehmen um den ursprünglichen Spielfluss zu erhalten.

Der Einbau eines Protektors ist ein kleines Abenteuer, wenn man das Modell zum ersten Mal zerlegt. Das Abenteuer spielt sich größtenteils auf der Spieloberfläche ab. Damit es die ganze Sache nicht zu umfangreich wird, wird der Einbau an einem überarbeitetem Taxi Flipper gezeigt. Mein überarbeiteter Flipper wurde vorab komplett zerlegt und ist sauber wie ein neuer Flipper. Hier sei angemerkt, dass jedes Modell individuell ist. Bei dem einen Modell kann es sein, dass es einfacher ist den Protektor von hinten nach vorne aufgelegt wird, manchmal von vorne nach hinten, beim Metallica gedreht über den Sparky, usw. Das ist natürlich auch wieder individuell unterschiedlich abhängig davon wie viele Teile ich vorher demontiert habe.

Als gewerblicher ist Zeit natürlich Geld (und ich bin in dem Punkt faul ;-), also versuche ich möglichst wenig Teile abzubauen. Nach dem Motto so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Ein gut verpackter Protektor ohne Beschädigungen (Quelle: PinNin)

Im konkreten Beispiel geht es um einen Taxi Flipper von Williams. Es wird ein Protektor mit 0,5mm aus Vivak von Playfield Protektors aufgelegt. Das erste ich mache, ich schaut ob der Protektor, den man bestellt hat zum Flipper passt. Bei mir war der erste ein Funhouse und den hätte ich nicht auf den Taxi bekommen ;-). Der Tausch hat problemlos funktioniert, aber ich musste meinen Kunden vertrösten da ich meinen Termin nicht halten konnte.

Die Schmauchreste sind im gegenlicht gut zu erkennen (Quelle: PinNin)

Der Protektor für den Taxi war tadellos und die Arbeit konnte beginnen. Tadellos in dem Zusammenhag bedeutet, dass beide Seiten keine tiefen Kratzer in den Protektor selber haben, die Folie noch vollständig beidseitig vorhanden ist und das Material nicht geknickt wurde.

In meinem Fall kam der Protektor gut verpackt und auf die Verpackung geklebt an. Wichtig für mich ist, beim Auspacken die Folie nicht zu beschädigen. Ich gehe erst mal davon aus das ein gelasertes Produkt Schmauchreste hat, die nicht im Flipper landen sollten. Als Schmauch werden die Kunststoffreste beim Lasern bezeichnet die sich auf dem Produkt z. B. durch die Verwirbelungen oder statische Aufladung sammeln. Sie sind auch verantwortlich dafür das er so komisch nach Plastik riecht, wenn man die Folie abzieht.

In der Anfangszeit gab es auch gefräste Produkte aus 1mm Makrolon (Polycarbonat). Um Makrolon zu lasen braucht man mehr Energie als bei anderen heutigen Produkten wie z. B. Vivak. Auch kann es bei einer schlechten Einstellung der Fertigung zu gelben (unschönen) Kanten kommen. Von daher hat man sich wohl für die Fräßarinante entschieden. Abgesehen davon, das sich meiner Meinung nach Macrolon gruselig spielt gehören Fräßkrümel nicht zum Protektor. Wie auch immer, das haben wir wohl hinter uns.

Zurück zum Schmauch. Flippereiniger ist gut geeignet beide Seiten zu reinigen. Auf einen Lappen oder Küchenrolle sprühen und den Schmauch damit feucht binden. Fertig. Die Schmauchreste sorgen später auch dafür das es beim Folieabziehen nochmal „lecker“ nach Material riecht.

Der Protektor gibt an was alles demontiert werden soll um ihn aufzulegen. Also mal drüber schauen und abschätzen was grob runter muss. Wenn man das nicht wie bei so einem Suchbild sieht, den Protektor vorsichtig über Spielfeld halten. Die Folien nicht abziehen um durch zu schauen! Angefangen unten, müssen die Flipperfinger, die Führungs Wire, Slingshotplastics, Gates, Bumpercaps und Rampen ab.

Jetzt kommt ein bisschen Erfahrung zu jedem Modell ins Spiel. Wenn ich oben etwas abbaue, muss ich eventuell wissen wie und was ich dafür noch abbauen muss um nichts zu verkratzen. Auch ist es wichtig zu wissen was ich unter dem Spielfeld abschrauben muss und welche Verbinder zu lösen sind. Der Teil unter dem Spielfeld sollte frühzeitig passieren um das Spielfeld nicht mit gelösten Teilen die sich noch nicht entfernen lassen anheben zu müssen.

Spielfeld von unten vorbereiten (Quelle: PinNin)

Der Taxi wird von den Flipperfingern nach oben abgebaut (nicht so schlimm wie ein Avangers ;-). Also zwei Muttern der Einschusses mit Unterlegscheiben und vier Verbinder lösen. Linke Rampe, rechte Rampe, Spinout und Lämpchen vom Skillshot. Und natürlich die Flipperfinger lösen. Das ist wichtig um Späte das Spielfeld nicht mehr mit losen Teilen nach oben klappen zu müssen, wenn man was vergessen hat. So kann man verhindern etwas zu verkratzen.

Jetzt kann mit dem Abbau begonnen werden. Um die Rampen beim Taxi abzunehmen mache ich es so, das ich das Spielfeld mit einem Holz leicht anhebe um die Spinout Rampe vor, zurück und hoch bewegen zu können um an die anderen Rampen zu kommen. Der Verbinder für den Mikroschalter der rechten Rampe ist unter der Spinoutrampe.

Je Rampenblech (Flap) habe ich immer weiche Lappen liegen. Beim Demontieren oder Montieren passiert es gerne mal, das ein Rampenblech zum Spielfeld rutsch. Da die Kanten recht dünn und meist scharf sind, können dadurch gerne mal Kratzer entstehen ;-). Die beiden Rampen nehme ich zusammen ab, da sie verschachtelt sind. Über Gates und andere scharfe Kannten auf dem Spielfeld klebe ich danach Isolierband. Wenn die Slingshotkontakte wie bei neuen Stern Geräte zu weit vor stehen, passen da 1 1/16“ Sleeves, damit die Kanten den Protektor nicht verkratzen.

Im ersten Versuch habe ich die Ballführungen (Laneguides) nicht abgebaut, da es Zeit spart und ich die Hoffnung hatte, dass der Protektor gut passt und er vielleicht auch so wieder abnehmbar ist. Der Protektor passt nicht. Ich habe schon andere Protektoren von Playfield Protectors verbaut und habe schon entsprechendes Werkzeug für Anpassungen liegen. Das Werkzeug bzw. die Hilfmittel um weiter zu kommen ist ein Edding, Augenmaß und eine stabile Schere.

Protektor positionieren (Quelle: PinNin)

Damit ein Protektor nachhaltig keine Probleme macht sollte er beim Einbau frei (schwimmend) liegen. Freischwimmend bedeutet, dass ich ihn von seiner idealen Position in alle Richtungen ca. 1mm bewegen kann. Für eine ideale Position suche ich mir z. B. zwei Kontakte und richte ihn aus. Ein Kontakt könnte die linke Inlane und der andere oben bei den CAB Durchläufen. Beide Öffnungen zentriert an den Öffnungen des Protektors ausrichten. Wenn das geschehen ist, muss sich der Protektor problemlos nach rechts, links oben und unten schieben lassen. Beide Folien sind noch vorhanden! Wenn das geht ist alles super, wenn nicht kommen die Hilfsmittel zum Einsatz um den Protektor an zu passen.

Die Stelle die am wenigsten passt (Quelle: PinNin)

In meinem Fall fange ich mit den Anpassungen an der schlimmsten Stelle an, also wo am meisten weg muss. Das ist oben links. Für die die das erste mal einen Protektor anpassen, fangt mit einer Stelle eher im nicht sichtbaren Bereich an. An der Stelle könnt ihr üben das Material sauber zu schneiden.

Ich schätze ab wie viel ich wegschneiden muss, damit der Protektor nicht mehr anliegt. Es gilt die Regel, lieber etwas zu wenig als zu viel weg zu schneiden. Dranschneiden geht noch nicht ;-). Wenn man Prototypen entwickelt ist das ein normaler Arbeitsschritt, da man ja keine CAD-Daten von den Herstellern bekommt. Ich hatte in meiner Entwicklungszeit, soweit ich mich erinnern kann, keinen der direkt gepasst hat. Die mich kennen wissen, das es mir manchmal mein Perfektionismus im Weg steht.

Spielfeld mit Mikrofasertuch reinigen.

Bei meinem Protektor muss ich oben rechts und an den Slingshots Anpassungen vornehmen. Es sieht so aus als wäre das Modell Taxi schnell entstanden und ohne große Test und Feedback in Serie gegangen, da die Schnittkurven teilweise erheblich von den Ballführungen abweichen. Eventuell bin ich da aber mit meinem Ansicht alleine.

Wenn alle Anpassungen abgeschlossen sind und der Protektor schwimmend passt. Kommt der nächste Schritt. Protektor herunter nehmen und das Spielfeld am besten mit einem Microfasertuch reinigen. Es sollte möglichst kein Schmutz auf dem Spielfeld sein.

Schutzfolie zur Spielfeldseite abgezogen (Quelle: PinNin)

Nach dem Abziehen der Folie auf der Unterseite ist die sehr wahrscheinlich elektrostatisch geladen und zieht den Schmutz magisch an :-). Jetzt die Folie der Unterseite abziehen, also die die auf dem Spielfeld war. Wer die Möglichkeit hat Ionisierte Luft zu benutzen, sollte das beim Abziehen machen. Beim abziehen den Protektor vom Körper entfernt halten und nach Möglichkeit keine Sachen tragen die staubig sind oder flusselig. Die Folie fallen lassen und den Protektor zügig und direkt auflegen.

Nach dem Auflegen mache ich es so, dass ich Teile wo ich später die obere Folie schlecht ab bekomme, anlösen oder schon zur Mitte ziehe. Alles was an Folie nicht ab muss bleibt erst mal drauf. Das sorgt dafür das der Protektor zumindest bis zum Ende etwas geschützt ist.

Jetzt alles wieder rückwärts montieren, Folie abziehen und das wars*.

* Dem fachkundigen oder interessierten Leser ist sicher aufgefallen, dass ich ein Kleinigkeit beim Zusammenbau vergessen habe. Das wurde aber anschließend korrigiert. Fotodokumentation und konzentriert arbeiten muss ich wohl noch üben ;-).