Flipperüberarbeitung EM

Da die Überarbeitung von elektromechanischen Flippern (EMs) sehr verschieden von denen mit Elektronik sind, werden sie hier separat betrachtet. Auch weil der Kaufpreis sehr wahrscheinlich unter dem des Überarbeitungspreises liegt.

Um einen EM technisch langfristig zuverlässig stabil zu bekommen, wie ein modernes Gerät, ist es wichtig wirklich alle Kontakte und Mechaniken zu prüfen, reinigen, gegebenenfalls zu reparieren und abschließend zu justieren. Folgend gibt es eine Beschreibung zu den Arbeiten die zu einer Überarbeitung gehören um ein Eindruck für den Aufwand zu bekommen. Der Aufwand liegt normalerweise über dem eines modernen Flippers.

Die meisten modernen Flipper lassen sich normalerweise in ein bis drei Tagen überarbeiten. Manchmal kann es auch mal eine Woche dauern, aber das ist eher die Ausnahme. Bei EMs gehe ich von vier bis zehn Tagen aus. Wobei eine Woche ein guter Richtwert ist. Das liegt daran, dass die Geräte meist älter als 40 Jahre, durch viele Hände gegangen sind und ich alle für die Funktion und Sicherheit notwendigen Teile zumindest einmal durchschaue.

Wenn ein EM einmal eine Revision bekommen hat, ist es normalerweise problemlos möglich eine Reparatur im klassischen Sinne durch zu führen. Bei der Reparatur kann davon ausgegangen werden, dass sich der Fehler an einer Stelle beheben lässt. Bei Geräten ohne Revision, kann es passieren, das am nächsten Tag z.B. ein anderer Kontakt ausfällt und es für den Laien nicht erkennbar ist ob es ein neuer Fehler ist, oder immer noch der alte. Das wäre ein unbefriedigende Situation für mich, in die ich nicht geraten möchte. Von daher lasse ich mir vorab Bilder vom Gerät schicken und entscheide in jedem Einzelfall ob ich eine Reparatur durchführe.

Um das eintscheiden zu können, hätte ich gerne ein paar Bilder vom Gerät. Auf den Bildern sollte folgendes zu sehen sein:

  • das Spielfeld, eventuell auch ein Detailbild schräg von den Flippern zum Spielfeld hin
  • die Unterseite des Spielfeldes, eventuell auch ein Detailbild vom hinteren drittel
  • dem Kabinett mit seiner Elektromechanik, eventuell ein Detailbild vom Trafo und wo der Score-Motor mit Umfeld zu sehen ist (linke Seite Mitte)
  • der Backbox, von hinten und wenn animierte Mechaniken vorhanden sind, bitte auch von vorne ohne Backglass
  • ein Bild wo das Gehäuse von der Seite von außen zu sehen ist, die Seite ist egal

Wichtig wäre auch ob technische Unterlagen vorhanden sind, gerade bei Gottlieb-Geräten, da sie aus rechtlichen Gründen nicht in der Flipperdatenbank zu finden sind. Zu den technischen Unterlagen bei EMs gehört nicht nur ein Stromlaufplan, sondern auch eine Kontaktbeschreibung. Als Beispiel wird hier auf die Unterlagen vom Catain Fantastic für das Faltblatt und das Zusatzheft verlinkt.

Wie bei den anderen Beschreibungen unterscheide ich auch zwischen einer technisch notwendigen Standardüberarbeitung und einer kompletten Überarbeitung. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit nach Absprache Kundenwünsche einfließen zu lassen.

Bei den Beschreibungen wird davon ausgegangen, dass der Gehäusezustand mit Lackierung erhalten bleiben soll. Arbeiten mit Schablonen, wo das Gehäuse neu lackiert wird, wären Sonderarbeiten. Ich bevorzuge aber die Substanz zu erhalten, im klassischen Sinne einer Restauration.

Standardüberarbeitung

Gerät vorher sieht auf den ersten Blick genauso aus wie das fertige Gerät auf dem oberen Bild beim Kunden (Quelle: PinNin)

Bei einer Standardüberarbeitung liegt der Fokus auf der Technik, also auf den Relais, Motoren, Kontakten, Leitungen, Verbindern, Mechaniken, usw. Das bedeutet, dass alle Teile die für die Funktion wichtig sind geprüft werden. Zum Prüfen gehört grundsätzlich das Reinigen. Es werden also alle funktionalen Teile gereinigt, überarbeitet, justiert, und/oder erneuert. Zu dem Teil gehört auch die Prüfung aller sicherheitsrelevanten Einrichtungen, wie das Netzkabel, der Transformator, der Einschalter, usw.

All diese Arbeiten nehmen mehr Zeit in Anspruch als das Putzen eines Flippers und sind für den Laien meist zum großen Teil nicht sichtbar oder sofort erkennbar. Besonders dann, wenn der Zustand bzw. die Optik wie in der Beschreibung weitestgehend erhalten bleiben soll.

Wie gerade beschrieben prüfe ich jeden Kontakt und jede Kontaktfläche. Das ist wichtig, denn dadurch dass ich mir jeden Kontakt, und jedes Relais prüfe, prüfe ich auch im gleichen Zug auch den Kabelbaum, Lötung und eventuell ein Teil der Mechanik in der der Kontakt Verwendung findet. Folgend ein paar Beispiel zu offensichtlichen Fehlern die sich finden lassen.

Neben den offensichtlichen einfachen Fehlern gibt es auch Fehler, bei denen es wichtig ist zu wissen was richtig (original) bzw. funktional richtig ist. Hierzu gehören abgenutzte Kontakte und Schleifer, ausgeschlagene Achsen und Lager, Federn, usw. Zeitintensiv sind Fehler, bei denen etwas funktional falsch zusammengelötet wurde.

Die zeitintensivsten Bereiche einer Standardüberarbeitung sind das Relaisboard im Kabinett, die Zählwerke in der Backbox und das Spielfeld mit seiner Ober- und Unterseite.

Gehäusereinigung

Die Reinigung bei der Standardüberarbeitung ist hinreichend, damit der Flipper abschließend wieder gut aussieht. Da auch zu einer Standardüberarbeitung die Reinigung des Gehäuses und des Spielfeldes gehört.

Zu den Arbeiten am Gehäuse gehören die Reinigung aller Flächen außen und innen. Die Kassentür mit Rahmen und die Beine. Auf den Bildern ist teilweise nur ein Teil gereinigt worden um den Unterschied zu sehen.

Relaisboard im Kabinett

Der Aufwand lässt sich grob mit zwei Tagen abschätzen. Bei der Standardüberarbeitung geht es darum alles auf Funktionalität zu prüfen, reparieren, oder zu erneuern. Angefangen vom der Netzleitung, Sicherungen, Transformator, Zähleinheiten, Scormotor, Relais, Verbinder, usw. Mit der Prüfung werden auch alle Kontakte überarbeitet, gereinigt und/oder erneuert und abschließend vorjustiert. Die Endjustage erfolgt zum Schluss, nachdem der Flipper wieder in Betrieb genommen wurde.

Apron oder Abdeckung

Da die Lackierung des Aprons teilweise sehr empfindlich sind, wird es separat gereinigt. Nach Absprache können Schäden ausgebessert werden. Je nach Aufwand gehört es dann aber nicht mehr zur Standardüberarbeitung.

Kopfteil, Backbox oder Leuchtkasten

Für die Standardüberarbeitung der Elektromechaniken der Backbox bei einem Gerät mit vier Spielern gehe ich grob von knapp zwei Tagen Arbeit aus..

Backglass

Das Backglass reinige ich gesondert von der Gehäusereinigung. Je nach Zustand ist es wichtig sich Zeit zu nehmen um es so gut es geht zu erhalten. Die dem Backglas auf den Bildern hat vorab jemand Paketklebeband verwendet um den sich ablösenden Lack zu fixieren. Von der Idee erst mal nicht schlecht nur wurde der Dreck mit konserviert. Meist lässt sich der Lack recht gut reinigen, so dann kaum Schmutz und Nikotinreste zurück bleiben. Da der Aufwand der Reinigung nicht so groß ist mache ich es im Zuge der Standardüberarbeitung.

Zusammenfassung

Wie oben schon beschrieben kalkuliere ich vier bis fünf Tage meiner Arbeitszeit für alle Arbeiten ein. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Geräte oft länger in der Werkstatt stehen, da z. B. Sonderteile beschafft werden müssen. Wenn diese defekt, bei gebrauchten zu stark abgenutzt, oder fehlerbehaftet sind, kann es sein dass sie ein zweites mal gesucht und bestellt werden müssen.

Die Kalkulation ist vor der Zerlegung meist schwierig, da Flipper meist versteckte Mängel haben, die erst mit der Zerlegung sichtbar werden. Es spart keine Zeit, wenn Sie als Kunde ihren Flipper vorab reinigen.

Als Richtwert für Teile, ohne das Gerät gesehen zu haben gehe ich grob von 150 Euro aus. Das schwankt natürlich von Gerät zu Gerät. Ein Re-Build Kit für zwei Flippermechaniken kostet grob 50 Euro, wenn der Flipper vier Flipperfinger hat sind es schon 100 Euro, wenn alle Teile erneuert werden.

Komplette Überarbeitung

Zu den Arbeiten am Gehäuse gehören die Reinigung aller Flächen außen und innen. Die Kassentür mit Rahmen und die Beine. Auf den Bildern ist teilweise nur ein Teil gereinigt worden um den Unterschied zu sehen.

Das Apron gehört für mich nicht in den Bereich Gehäusereinigung, da die Farbe teilweise sehr empfindlich sind und eventuell kleine Schäden ausgebessert werden.

Auch das Backglass betrachte ich gesondert von der Gehäusereinigung. Je nach Zustand ist es wichtig sich Zeit zu nehmen um es so gut es geht zu erhalten. Die dem Backglas auf den Bildern hat vorab jemand Paketklebeband verwendet um den sich ablösenden Lack zu fixieren. Von der Idee erst mal nicht schlecht nur wurde der Dreck mit konserviert. Meist lässt sich der Lack recht gut reinigen, so dann kaum Schmutz und Nikotinreste zurück bleiben.

Sonderarbeiten

Abhängig von der Zeitgeschichte, oder wie die Flipper gelagert wurden, ist der Zustand unterschiedlich. Manche habe einen traumhaften Zustand und andere haben Abspielungen, Risse oder Kratzer im Sichtbereich der Spielfläche oder lose Inserts.

Bei Fehlstellen im Spielbereich muss von Fall zu Fall geschaut werden wie oder ob sie behandelt werden müssen. Das ist erforderlich, da die Spielkugel sonst Schäden verschlimmern kann. Alles was im Sichtbereich ist, ist nicht schön aber muss nicht zwingend bearbeitet werden.

Inserts fixieren

Die Spielfeldeinlagen, meist farbig, mit oder ohne Zahlen, wo das Licht durch scheint, werden als Inserts bezeichnet. Über die Zeit und mit der Wärme der Lämpchen darunter wölben sich die Inserts schon mal nach unten. So lange ein Insert fest und eben mit der Spielfläche ist, ist das unproblematisch. Wenn sich Inserts aber über die Zeit bewegt haben, oder lose sind, sollten sie wieder möglichst bündig zur Spielfläche verklebt werden.

Auf den Beispielbildern ist ein Flipper zu sehen der von einem Händler als überarbeitet und spielfertig gekauft wurde. Ein Teil der Inserts waren mit Heißkleber fixiert. Auf den Bilder gut an dem „Same Player Shoots Again“ Insert zu sehen. Das Neukleben aller Inserts hat in diesem Beispiel glücklicherweise nur einen dreiviertel Tage mehr Zeit in Anspruch genommen.

Lackschäden und Mylar

Oft wurde vom Hersteller oder vom Aufsteller eine Schutzfolie (Mylar) auf das Spielfeld geklebt. Manche Hersteller habe es auch lose verwendet. Im Spielbetrieb kam es vor, dass sich das Mylar gelöst hat, oder sich Schmutz darunter gesammelt hat. Bei dem Verklebten Mylar war es für die Servicetechniker schneller es wegzuschneiden als vorsichtig abzulösen, die Stellen zu reinigen und neues Mylar zu verkleben. So kommt es das manch eine Spielfläche stark sichtbare Schäden hat. Auch solche Stellen lassen sich in überschaubarer Zeit partiell verbessern.