Ein wichtiger Grund, warum Leiterkarten (Platinen) niemals in der Spülmaschine gereinigt werden sollten, liegt in ihrer empfindlichen Struktur und den elektronischen Bauteilen, die weder Wasser noch Reinigungschemikalien vertragen. Im Folgenden gibt es einen Blogeintrag zu diesem Thema.

Warum Leiterkarten nicht in der Spülmaschine gereinigt werden sollten

Wer kennt es nicht: Staub, Schmutz oder sogar ein Flüssigkeitsschaden haben eine Platine verschmutzt, und man überlegt, wie man sie am besten wieder sauber bekommt. Manche Menschen ziehen tatsächlich in Betracht, eine Leiterkarte in die Spülmaschine zu legen. Was sich im ersten Moment nach einer kreativen DIY-Idee anhört, ist in Wirklichkeit ein gefährlicher Fehler, der mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Die Erfahrungen zeigen, dass Platinen die in der Spülmaschine gereinigt wurden, langsam korrodieren. Je nach Umgebung, wie zum Beispiel Luftfeuchtigkeit, Meerluft, usw., läuft dieser kontinuierliche Prozess über mehrere Jahre schneller oder langsamer ab. Bei Reparaturen wo es sich durch die Kunden grob auf das Kaufdatum zurückrechnen lässt sind es sechs bis fünfzehn Jahre.

Empfindliche Elektronik und Feuchtigkeit

Elektronische Bauteile sind grundsätzlich nicht dafür gemacht, langfristig mit Feuchtigkeit in Berührung zu kommen. Zwar werden Platinen in der Herstellung oft nasschemisch behandelt und gereinigt, doch danach sind sie geschützt und versiegelt. Spülmaschinenwasser enthält hingegen Rückstände, Salze und aggressive Zusätze, die beim Verdunsten leitfähige Ablagerungen hinterlassen. Das kann zu Kurzschlüssen und dauerhaften Schäden führen. Was manche Laien nicht wissen, ist, dass es Spülmaschinen mit Salzbehälter gibt. Auch wenn kein Tab benutzt wird und die Leiterkarten nicht zu heiß gespült werden, wird das Wasser mit dem Salz aus dem Salzbehälter enthärtet.

Chemikalien in Spülmitteln

Geschirrspülmittel enthalten Tenside, Salze und oft Enzyme, die für Fett- und Eiweißreste bestimmt sind – jedoch nicht für filigrane Leiterbahnen, Lötstopplacke, oder Lötstellen. Diese Chemikalien greifen Metalle an, können Korrosion beschleunigen und sogar Lötzinn oder Schutzlacke angreifen. Einmal beschädigt, ist eine Platine kaum noch zuverlässig funktionsfähig.

Mechanische Belastung

Eine Spülmaschine arbeitet mit starkem Wasserdruck. Dieser Wasserstrahl kann kleine Bauteile von der Platine reißen oder Mikrorisse in empfindlichen Lötstellen verursachen. Selbst wenn alles heil aussieht, können unsichtbare Haarrisse die Leistung beeinträchtigen oder über Wochen zu Ausfällen führen.

Trocknungsprobleme

Selbst wenn eine Platine nach einem „Waschgang“ scheinbar trocken aussieht, verbleibt Feuchtigkeit in Spalten, Steckern und unter SMD-Bausteinen. Diese Restfeuchte kann über lange Zeit die elektrische Leitfähigkeit beeinflussen oder später Korrosion auslösen. Ein vollständiges und sicheres Trocknen ist in einer Haushaltssituation fast unmöglich.

Umweltverschmutzung

Die Reinigung in der Spülmaschine führt dazu, dass Wärmeleitpaste in Trinkwasser gelangt. Bei dem Blick in eine Gefahrenblatt für Wärmeleitpaste finde man z. B. bei Stannol Wärmeleitpaste T12  mit dem Hinweis zur Einstufung gemäß Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 findet man folgende Beschreibungen:

  • Aquatic Acute 1 H400 Sehr giftig für Wasserorganismen

  • Aquatic Chronic 1 H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung

Eventuell hilft das Argument mal über sein Handeln nachzudenken.

Der falsche Weg zu Reinigen

In diversen Foren gibt es diverse Vorschläge wie Platinen schnell und günstig aufgehübscht werden können. Sie sehen dann vielleicht so aus als wären sie professionell gereinigt worden, sind es aber nicht. Neben der Reinigungsmethode mit der Spülmaschine, kommen auch folgende haushaltsübliche Mittel bei der Reinigung zum Einsatz. Die Mittel werden auch bei der Reinigung von Kabelbäumen eingesetzt, was natürlich auch über die Zeit zu Schäden führen kann.

  • Bref und Power Bref

  • Naphtha (Rohbenzin)

  • Geschirrspülmittel

  • Wesley’s Bleche White (Felgenreiniger)

  • Brennspiritus

  • usw.

Ich denke die Flipper- und z.B. Arcadeforenblase ist weit von der Elektronikblase entfernt 0:-).

Der richtige Weg zur Reinigung

Statt zur Spülmaschine zu greifen, gibt es wesentlich sicherere Methoden:

  • Sanftes Ausblasen von Staub mit Druckluft.

  • Reinigung von Lötstellen und Kontakten mit Isopropanol (99% Alkohol).

  • Verwendung spezieller Leiterplattenreiniger aus dem Elektronikfachhandel.

  • Gründliches, geduldiges Trocknen nach jeder Reinigung, idealerweise mit Warmluft bei niedriger Temperatur.

Das sind einfache Methoden für den Laien. Weiter unten in dem Beitrag gib es weitere Informationen zu Standards die in der Industrie üblich sind. In der Fertigung ist die Reinigung ein eigener Bereich der sich damit beschäftigt. Entsprechend gibt es im Netz unzählige Informationen von Firmen die sich professionell damit beschäftigen.

Die Perlen bzw. guten Beiträge sind selten

Da ich zu diesem Thema schon oft ungläubig von meinen Kunden angeschaut wurde, gibt es hier noch ein paar Möglichkeiten nach solchen Sachen zu suchen. Eventuell die User merken die diverse Methoden und Chemikalien einsetzen und dort keinen Flipper kaufen.

Google: flippermarkt Wie Platinen reinigen
Google: flippermarkt Reinigung Platinen

Beispiel dazu gibt es im WWW noch erheblich mehr.

Auf Pinside gab es sogar eine Anleitung dazu wie es funktioniert. Die Anleitung ist zum Zeitpunkt des Beitrages circa 9 Jahre alt und lässt sich finden mit:

google Cleaning Playfield Harnesses – Vid’s Guide

Wie schon im Video beschrieben ist der Korrosionsprozess abhängig von vielen Umständen und kann ein paar Jahre länger dauern. Ich hoffe dass ich schon in Rente bin, wenn diese Geräte ausfallen.

Fazit

Platinen sind hochsensible Bauteile, die auf unsachgemäße Reinigung extrem empfindlich reagieren können. Eine Spülmaschine ist für Teller und Besteck gemacht – nicht für Elektronik. Wer Leiterkarten reinigen möchte, sollte ausschließlich geeignete, schonende Methoden verwenden. So bleibt die Elektronik funktionsfähig und zuverlässig, anstatt durch eine gut gemeinte, aber falsche Reinigung dauerhaft zerstört zu werden.

Bei Verkäufen von Flippern scheint sich der Marktpreis in den letzten Jahren eher nach dem Aussehen zu richten. Je schöner ein Flipper aussieht, desto teurer lässt er sich verkaufen. Optisch schön ist, aber leider nicht zu vergleichen mit technisch gut. Es bleibt abzuwarten, wie lange sich der Trend hält, oder wann es die ersten Klagen gibt.

Weiterführende Informationen

Wer mal etwas mehr über Standards erfahren möchte, sollte eventuell erst mal einen Artikel in der Elektronik Praxis von 2020 lesen. Da ist Wasser z.B. klar als Untergruppe der anorganischer Verunreinigungen erwähnt. Sonst gibt es natürlich auch weitere Normen zur Reinigung bei der Herstellung um eine möglichst gute Zuverlässigkeit zu haben.

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