Philosophie

Flipperautomaten

Der Flipper (engl. Pinball) erlebt in den letzten Jahren eine echte Renaissance. Sei es, weil viel mehr Turniere gespielt werden und die Medien mehr darüber berichten, oder sei es, weil es mittlerweile wieder eine Vielzahl an Herstellern und Händlern gibt. Die Anzahl der Turnierspieler und Sammler nimmt stetig zu. Aus meiner Sicht hat sich der Flipper in Deutschland in den letzten 15 Jahren vom Vergnügungs-, Kunst- und Kulturobjekt zusätzlich auch zum Sportgerät entwickelt.

Mir ist es wichtig, dass der Flippersport auch als solcher wahrgenommen wird. Daher ist es wie in jedem anderen Sport: Nur mit einem Sportgerät das in einem einwandfreien Zustand ist, lassen sich vergleichbare und reproduzierbare Ergebnisse erzielen.* Guter Service mit abschließender Justage stellt sicher, dass sich das Sportgerät in diesem einwandfreien Zustand befindet. Turnierspieler mal außen vor, ist es dem Hobbyisten, der seinen Flipper viele Jahre nur gespielt hat, meist gar nicht bewusst, wie viel mehr Spaß es macht, einen gut funktionierenden und eingestellten Flipper zu spielen wenn zum Beispiel plötzlich ein Mode erreicht wird oder das Endspiel schaffbar ist.

Mit anderen Worten: Niemand den ich kenne, will mit einem klebrigen krummen Queue Billard spielen, da eine Reproduzierbarkeit der Stöße nicht gegeben ist. Das gilt natürlich auch für einen Flipper, wenn es zum Beispiel nicht möglich ist, Rampen zu spielen, das Gerät zeitweise Fehlfunktionen hat oder Teilbereiche des Spielfelds dunkel sind. Da das im übertragenen Sinne klebrig und krumm Werden des Queues beim Flipper meist unbemerkt vonstattengeht, ist es dem Besitzer oft nicht klar, welche ungeahnten Möglichkeiten es gibt.

Die meisten Menschen, die mir außerhalb der Flipperszene begegnet sind, haben die Vorstellung, dass das Flippern ein Glücksspiel ist. Ihnen ist meist auch nicht bewusst, wie komplex ein Flipper ist und dass er nicht nach industriellen Standards wie ein Auto gefertigt wird. Ich denke, der Flipper ist mit durchschnittlich 3.500 Teilen, ein recht komplexes Sportgerät.** Es vereint Holz, Metalle, Kunststoffe, Glas und heutzutage einen nicht unerheblichen Anteil an Elektronik. Von daher sollte es selbstverständlich sein, dass ein Flipper, der in Turnieren zum Einsatz kommt, regelmäßig gewartet und justiert wird. In den aktuellen Stern-Pinball-Manuals heißt es, dass bei neuen Geräten nach 500 Spielen Schrauben kontrolliert werden sollen. Inspektionen, bei der defekte Teile und Verschleißteile erneuert werden, sollten alle 5.000 Spiele durchgeführt werden.

Vielen ist Folgendes nicht bewusst: Eine Flipperkugel wiegt ca. 81g, das ist vergleichbar mit einem kleinen gewöhnlichen Goldschmiedehammer. In der Anfangszeit des Flipperns wurde noch mit einer Kugel gespielt. Die gegenwärtigen Flipper haben meist fünf oder sechs Kugeln. In manchen Spielsituationen kommen alle Kugeln, also ca. 0,5kg Stahl (!), auf dem Spielfeld zum Einsatz. Es ist also ganz klar, dass das Sportgerät sich im Kugelbereich kontinuierlich verändert.

Hi-Fi-Geräte

Schon vor über 15 Jahren schrieb der Spiegel über den Wandel im Wohnzimmer. Heute sieht man kaum noch eine klassische Stereo-Anlage, wie wir sie von damals kennen. Aber sie sind noch da, die Enthusiasten, die z. B. an ihrer lieb gewonnen Braun-Atelier-Anlage festhalten. Das war in der Zeit, als der Wandel zur digitalen Geräten spürbar wurde, in der ich gerade meine Ausbildung gemacht habe.

Mit meinem Service möchte ich denen, die ein „altes Schätzchen“ haben oder eine Hi-Fi-Anlage, die vom Design oder der persönlichen Geschichte „unersetzbar“ ist, die Möglichkeit bieten, ihre lieb gewonnenen Geräte weiter zu betreiben. Auch wenn es sich „nur“ um das zeitweise Aussetzen eines Kanals, das Kratzen beim Einstellen der Lautstärke oder Springen der CD dreht.

Werte erhalten

Eine fachgerecht durchgeführte Überarbeitung eines Flipperautomaten erhält bzw. steigert und schützt den Wert des Objektes. Dabei muss die fachgerechte Ausführung der Arbeiten nicht zwangsläufig teurer sein als der Ersatz durch etwas Neues.

Preis und Qualität

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.

John Ruskin, 1819 – 1900

* Ein Beispiel soll die vergleichbaren bzw. reproduzierbaren Ergebnisse leichter verständlich machen. Das Beispiel bezieht sich nur auf die Justagen an Steve Ritchies Star Wars (Stern 2017), ohne auf die Ursachen einzugehen.
Star Wars war ein sehr starker Titel und ich habe viele Star Wars-Neugeräte justiert. Um den Begriff „viele“ einordnen zu können: Alleine Star Wars Prem. und LE waren es weit über 50 Neugeräte. Auffällig war zum Beispiel, dass der innere Loop-Schuss bei Neugeräten sehr stark streute. Der kritischere Schuss war, wenn die Kugel links rein gespielt wurde. Die Kugeln streuten von durch die Mitte bis zum rechten Ende des rechten Flipperfingers. Nach Steves Design sollte die Kugel mittig auf den rechten Flipperfinger kommen. Bei vielen Geräten musste es nachträglich, bevor das Gerät zum Kunden ging, justiert werden. Für ein Turnier ist diese Streuung aus meiner Sicht nicht akzeptabel, da vermeidbar. Steve sagte mir in einem persönlichen Gespräch, dass er bei den ersten Geräten die Endjustage über einen längeren Zeitraum selbst gemacht bzw. betreut hat.

** In den 3.500 Teilen zählt eine Platine als ein Teil. Wenn man die Teile auf den Platinen dazu zählen würde, sind es weit über 10.000 Teile.