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Tipps zum Flipperkauf von EMs

Nachdem ich jetzt mehrere enttäuschte Kunden hatte die sich einen elektromechanische Flipper (Ems) angeschafft habe, gibt es jetzt mal einen Eintrag mit Tipps zum Flipperkauf. Der Fokus liegt mehr auf Ems, aber das Grundsätzliches sollte bei jedem Flipperkauf beherzigt werden.

Auch mir ist es vor kurzem noch passiert, dass ich beim Flipperkauf im Kundenauftrag ein paar Überraschungen erlebt habe. Ich habe den Flipper von einem gewerblichen Händler als überarbeitet und voll funktionstüchtig gekauft. Der Flipper wurde mir gut verpackt hochkant auf einer Palette geschickt. Nach dem ich ihn ausgepackt hatte lagen die ersten Inserts im Gerät und meine Werkstatt roch nach Nikotin wie die Kneipen vor 20 Jahren. Das Gerät bot noch eine ganze Menge mehr an Überraschungen. Ganz fies sind elektrische Fehler wie falsch angelötete Letungen, gut zu erkennen am frischen Lötzinn.

Wo fängt man also an, wenn man sich einen EM kaufen möchte. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten einen Flipper zu kaufen. Entweder von Händler mit, oder von Privat gekauft wie gesehen bzw. beschrieben, also ohne Gewährleistung.

Der Kauf vom Händler

Wie bei allem geht nichts über Empfehlungen, also sollte man sich vorab erkundigen und beim Händler seines Vertrauens kaufen. Selbst bei Händlern sollte man, wenn es irgendwie geht, das Gerät zur Probe spielen. In dem Probespiel sollten folgende Punkte beachtest bzw. getestet werden. Ich gehe von einem komplett überarbeiteten und voll funktionstüchtigen Gerät aus bei dem zumindest die Elektromechanik komplett überarbeitet wurde. Der kleinere Teil der Arbeit ist das Reinigen des Spielfeldes und aufziehen neuer Gummis.

  • Mindestens zwei komplette Spiele mit der maximalen Anzahl der Spieler durchspielen.
  • Darauf achten, dass
    • sich alle Zählräder ordentlich zurück stellen
    • die Kugel- und Spieleranzeige richtig funktioniert
    • das Spiel ordentlich zum Ende kommt
  • Lässt sich die Kugel, wenn sie auf dem Flipperfinger gehalten wurde, kraftvoll nach oben spielen
  • Arbeiten alle Slingshots (Schleudern), Bumper (Schlagtürme) und andere Spielfeldeinheiten wie z.B. Kugelauswürfe richtg
  • In den Probespielen möglichst viele Funktionen testen, alternativ Funtionen ohne Scheibe händisch testen

Zu den Punkten habe ich auch ein YouTube Video erstellt.

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In jedem Fall nach den technischen unterlagen Fragen, insbesondere bei Gottlieb Flippern.

Um eine bessere Einschätzung zu bekommen ob und wie weit ein Gerät zumindest technisch überarbeitet wurde habe ich den Teil 2 (s.u.) erstellt.

Der Kauf von Privat

Auch Plattformen wo Privatanbieter ihre Geräte verkaufen, findet man ähnlich Beschreibungen wie bei gewerblichen Anbietern. Auch die Preise bewegen sich mittlerweile in die gleiche Richtung wie von gewerblichen Anbietern. Damit ein elektromechanischer Flipper länger und zuverlässig läuft ist es wichtig, dass die Elektromechanik überarbeitet wurde. Vorab mal ein paar Beispielbeschreibungen aus aktuellen Texten von elektromechanischen von einer typischen Verkaufsplattform.

  • Sofort spielbereites gebrauchtes Gerät. Alle Funktionen intakt. Der Flipper wurde gereinigt. Defekte Lampen und Posts wurden erneuert. Neue Silikon-Gummis. Neuer Satz Plastics.
  • Spielbereites Gerät 100% geprüft
  • Funktionsfähiger Flipper. Neue Gummis und Lampen. Kasten mit Gebrauchsspuren. Spielfeld wurde komplett zerlegt und gereinigt. Spielfeld in gutem Zustand. Farbige LEDs verbaut.
  • usw.

Aus all den Beschreibungen lese ich, dass die Geräte nur optisch aufbereitet wurden. Meist fehlen Bilder der Elektromechnaik, also vom Innenleben des Kabinetts und der Backbox (Kopfteil). Die Technik im Inneleben ist wichtiger als die Optik für ein gut funktionierendes Gerät! Auch wenn ich mich in meinen Einträgen wiederhole, bei den EMs/Oldtimern wurde vorrangig der Lack aufpoliert. Die wenigsten haben sich nach meiner Erfahrung um die Kompression des Motors gekümmert.

Wer sich zutraut sich ein Gerät auf eigene Faust anzuschaffen, sollte folgendes beachten.

Das Gerät im aufgebauten Zustand, so wie beschrieben begutachten. Wie auch beim Händler (s.o.) die Punkte beachten. Eventuell auch ein paar Testspiele mehr machen. Wenn offensichtlich ist dass Teile, die vorher auf den Bildern zu sehen waren, nachfragen.

Beim Privatkauf ist es noch wichtiger das Gerät Vor-Ort ausgibig zu testen. Wenn es geht vorab eine Checkliste erstellen und durchgehen.

Für die die sich etwas besser mit der Technik auskennen, habe ich einen zweiten Teil vom Video mit Tipps gemacht.

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Der Bericht soll nicht den Eindruck erwecken, dass alle Händler und Privatverkäufer Schlitzohren sind. Da der Markt aber in den letzten Jahren stetig gewachsen ist, sind vermutlich auch mehr Schlitzohren unterwegs ;-).

Viel Erfolg beim nächsten Flipperkauf.

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EMs reparieren

Grundplatte nach der Überarbeitung (Quelle: PinNin)

Ich wurde in der letzten Zeit öfter mal gefragt, ob ich auch elektromechanische Flipper (EMs) repariere. Oft höre ich dann, das kann nicht viel sein. Oder das ist bestimmt nur ein Kontakt der justiert werden muss.

Ja, ich repariere EMs. Aber …

Der Glaube es ist nicht viel, oder es kann nur ein Kontakt sein, dürfte fast immer falsche sein. Auch wenn ich es jedes mal höre. Ein paar Beispiel um vielleicht besser zu verstehen warum die Annahme wohl möglich falsch ist.

Beispiel 1: Die die einen älteren Verstärker haben kenne es bestimmt. Der Lautstärkesteller kratzt oder manchmal fällt ein Kanal aus. Ursache ist z.B. die Oxidation über die Zeit an den Potis oder den Kontakten vom Endstufenrelais. Die Aussetzer oder das Kratzen bekommt man durch Lauter machen, oder häufigeres Drehen des Potis meist über längere Zeit hin.

Alter Hinweis vom Hersteller zu den Bakelit-Abstandshaltern
(Quelle: PinNin)

Beispiel 2: In einem EM sind zwischen den Kontaktblättern Bakelitplättchen als Isolation und um den richtigen Abstand zu gewährleisten. Diese verändern sich ein wenig über die Zeit, so dass sich auch die Abstände der Kontakte zueinander ändern. Die Flipper sind jetzt Teilweise über 50 Jahre alt und die Plättchen hatten viel Zeit sich zu verändern ;-).

Beispiel 3: Bei der alten Relaistechnik, auch liebevoll Klappertechnik, hat man gewöhnlicherweise keine Freilaufdioden verwendet. Freilaufdioden oder manchmal Kondensatoren, oder RC-Kombinationen, habe die Funktion Funken zu verhindern (man sagt auch löschen). Oder anders, den Kontaktabbrand zu reduzieren. Mit jedem Funken der Entsteht wird das Kontaktmaterial etwas verändert, es „verbrennt“. Eventuell haben jetzt viele die verbrannten Flipperkontakten noch von den Flippern aus den 80‘ern vor den Augen. Je nach Funktion gibt es Kontakte die durch den Abbrand nachjustiert werden sollten, oder andere durch den Alterungsprozess.

Spieler- und Ball-Zähleinheiten (Quelle: PinNin)

Wenn ich als Gewerblicher nur an eine paar Kontakten arbeite, um den Flipper wieder in Gang zu setzen, ist es für den Laien nicht unbedingt ersichtlich welche das waren. Folglich bin ich auch in der Gewährleistung, wenn danach ein anderer ausfällt. Da kann sich schnell zu einem Fass ohne Boden entwickeln.

Deshalb repariere ich nur EMs die ich selber technisch komplett Überarbeitet habe.