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Tipps & Tricks

Protektoreinbau Taxi

Aufgelegter Protektor (Quelle: PinNin)

Um einen Protektor einzubauen kann es verschiedene Gründe geben. Sei es um bei einem neuen Gerät den Wert zu erhalten, weil das Spielfeld Risse bekommt hat, die Inserts schon ein wenig gearbeitet haben, oder Inserts verformt sind und den Kugellauf beeinflussen.

Der folgende Beschreibung hat das Ziel dem Anfänger, der vielleicht seinen ersten Protektor einbaut, und auch dem erfahrenen Flipperfan meine Erfahrungen mitzuteilen. Da ich selber schon alle Bereich durchlebt habe, würde ich mich als erfahren einstufen. Mit durchlebt meine ich, dass ich vom Konzept, der CAD Zeichnung, Prototypen lasern mit abschließendem Serientest, alle Bereiche eines Protektors durchlebt habe. Auch erkläre ich aus meiner Sicht, wann ein Protektor sich möglicherweise nachhaltig nicht wölbt, aber alles zu seiner Zeit.

Der Eintrag thematisiert nicht den Einbau von Protektoren bei modernen Flippern. Bei modernen Flippern wie z. B. Ghostbusters, die teilweise sehr steile Rampen haben, oder enge Kugelwege haben, ist es manchmal notwendig zusätzlich zum Protektor weiter Anpassungen vor zu nehmen um den ursprünglichen Spielfluss zu erhalten.

Der Einbau eines Protektors ist ein kleines Abenteuer, wenn man das Modell zum ersten Mal zerlegt. Das Abenteuer spielt sich größtenteils auf der Spieloberfläche ab. Damit es die ganze Sache nicht zu umfangreich wird, wird der Einbau an einem überarbeitetem Taxi Flipper gezeigt. Mein überarbeiteter Flipper wurde vorab komplett zerlegt und ist sauber wie ein neuer Flipper. Hier sei angemerkt, dass jedes Modell individuell ist. Bei dem einen Modell kann es sein, dass es einfacher ist den Protektor von hinten nach vorne aufgelegt wird, manchmal von vorne nach hinten, beim Metallica gedreht über den Sparky, usw. Das ist natürlich auch wieder individuell unterschiedlich abhängig davon wie viele Teile ich vorher demontiert habe.

Als gewerblicher ist Zeit natürlich Geld (und ich bin in dem Punkt faul ;-), also versuche ich möglichst wenig Teile abzubauen. Nach dem Motto so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Ein gut verpackter Protektor ohne Beschädigungen (Quelle: PinNin)

Im konkreten Beispiel geht es um einen Taxi Flipper von Williams. Es wird ein Protektor mit 0,5mm aus Vivak von Playfield Protektors aufgelegt. Das erste ich mache, ich schaut ob der Protektor, den man bestellt hat zum Flipper passt. Bei mir war der erste ein Funhouse und den hätte ich nicht auf den Taxi bekommen ;-). Der Tausch hat problemlos funktioniert, aber ich musste meinen Kunden vertrösten da ich meinen Termin nicht halten konnte.

Die Schmauchreste sind im gegenlicht gut zu erkennen (Quelle: PinNin)

Der Protektor für den Taxi war tadellos und die Arbeit konnte beginnen. Tadellos in dem Zusammenhag bedeutet, dass beide Seiten keine tiefen Kratzer in den Protektor selber haben, die Folie noch vollständig beidseitig vorhanden ist und das Material nicht geknickt wurde.

In meinem Fall kam der Protektor gut verpackt und auf die Verpackung geklebt an. Wichtig für mich ist, beim Auspacken die Folie nicht zu beschädigen. Ich gehe erst mal davon aus das ein gelasertes Produkt Schmauchreste hat, die nicht im Flipper landen sollten. Als Schmauch werden die Kunststoffreste beim Lasern bezeichnet die sich auf dem Produkt z. B. durch die Verwirbelungen oder statische Aufladung sammeln. Sie sind auch verantwortlich dafür das er so komisch nach Plastik riecht, wenn man die Folie abzieht.

In der Anfangszeit gab es auch gefräste Produkte aus 1mm Makrolon (Polycarbonat). Um Makrolon zu lasen braucht man mehr Energie als bei anderen heutigen Produkten wie z. B. Vivak. Auch kann es bei einer schlechten Einstellung der Fertigung zu gelben (unschönen) Kanten kommen. Von daher hat man sich wohl für die Fräßarinante entschieden. Abgesehen davon, das sich meiner Meinung nach Macrolon gruselig spielt gehören Fräßkrümel nicht zum Protektor. Wie auch immer, das haben wir wohl hinter uns.

Zurück zum Schmauch. Flippereiniger ist gut geeignet beide Seiten zu reinigen. Auf einen Lappen oder Küchenrolle sprühen und den Schmauch damit feucht binden. Fertig. Die Schmauchreste sorgen später auch dafür das es beim Folieabziehen nochmal „lecker“ nach Material riecht.

Der Protektor gibt an was alles demontiert werden soll um ihn aufzulegen. Also mal drüber schauen und abschätzen was grob runter muss. Wenn man das nicht wie bei so einem Suchbild sieht, den Protektor vorsichtig über Spielfeld halten. Die Folien nicht abziehen um durch zu schauen! Angefangen unten, müssen die Flipperfinger, die Führungs Wire, Slingshotplastics, Gates, Bumpercaps und Rampen ab.

Jetzt kommt ein bisschen Erfahrung zu jedem Modell ins Spiel. Wenn ich oben etwas abbaue, muss ich eventuell wissen wie und was ich dafür noch abbauen muss um nichts zu verkratzen. Auch ist es wichtig zu wissen was ich unter dem Spielfeld abschrauben muss und welche Verbinder zu lösen sind. Der Teil unter dem Spielfeld sollte frühzeitig passieren um das Spielfeld nicht mit gelösten Teilen die sich noch nicht entfernen lassen anheben zu müssen.

Spielfeld von unten vorbereiten (Quelle: PinNin)

Der Taxi wird von den Flipperfingern nach oben abgebaut (nicht so schlimm wie ein Avangers ;-). Also zwei Muttern der Einschusses mit Unterlegscheiben und vier Verbinder lösen. Linke Rampe, rechte Rampe, Spinout und Lämpchen vom Skillshot. Und natürlich die Flipperfinger lösen. Das ist wichtig um Späte das Spielfeld nicht mehr mit losen Teilen nach oben klappen zu müssen, wenn man was vergessen hat. So kann man verhindern etwas zu verkratzen.

Jetzt kann mit dem Abbau begonnen werden. Um die Rampen beim Taxi abzunehmen mache ich es so, das ich das Spielfeld mit einem Holz leicht anhebe um die Spinout Rampe vor, zurück und hoch bewegen zu können um an die anderen Rampen zu kommen. Der Verbinder für den Mikroschalter der rechten Rampe ist unter der Spinoutrampe.

Je Rampenblech (Flap) habe ich immer weiche Lappen liegen. Beim Demontieren oder Montieren passiert es gerne mal, das ein Rampenblech zum Spielfeld rutsch. Da die Kanten recht dünn und meist scharf sind, können dadurch gerne mal Kratzer entstehen ;-). Die beiden Rampen nehme ich zusammen ab, da sie verschachtelt sind. Über Gates und andere scharfe Kannten auf dem Spielfeld klebe ich danach Isolierband. Wenn die Slingshotkontakte wie bei neuen Stern Geräte zu weit vor stehen, passen da 1 1/16“ Sleeves, damit die Kanten den Protektor nicht verkratzen.

Im ersten Versuch habe ich die Ballführungen (Laneguides) nicht abgebaut, da es Zeit spart und ich die Hoffnung hatte, dass der Protektor gut passt und er vielleicht auch so wieder abnehmbar ist. Der Protektor passt nicht. Ich habe schon andere Protektoren von Playfield Protectors verbaut und habe schon entsprechendes Werkzeug für Anpassungen liegen. Das Werkzeug bzw. die Hilfmittel um weiter zu kommen ist ein Edding, Augenmaß und eine stabile Schere.

Protektor positionieren (Quelle: PinNin)

Damit ein Protektor nachhaltig keine Probleme macht sollte er beim Einbau frei (schwimmend) liegen. Freischwimmend bedeutet, dass ich ihn von seiner idealen Position in alle Richtungen ca. 1mm bewegen kann. Für eine ideale Position suche ich mir z. B. zwei Kontakte und richte ihn aus. Ein Kontakt könnte die linke Inlane und der andere oben bei den CAB Durchläufen. Beide Öffnungen zentriert an den Öffnungen des Protektors ausrichten. Wenn das geschehen ist, muss sich der Protektor problemlos nach rechts, links oben und unten schieben lassen. Beide Folien sind noch vorhanden! Wenn das geht ist alles super, wenn nicht kommen die Hilfsmittel zum Einsatz um den Protektor an zu passen.

Die Stelle die am wenigsten passt (Quelle: PinNin)

In meinem Fall fange ich mit den Anpassungen an der schlimmsten Stelle an, also wo am meisten weg muss. Das ist oben links. Für die die das erste mal einen Protektor anpassen, fangt mit einer Stelle eher im nicht sichtbaren Bereich an. An der Stelle könnt ihr üben das Material sauber zu schneiden.

Ich schätze ab wie viel ich wegschneiden muss, damit der Protektor nicht mehr anliegt. Es gilt die Regel, lieber etwas zu wenig als zu viel weg zu schneiden. Dranschneiden geht noch nicht ;-). Wenn man Prototypen entwickelt ist das ein normaler Arbeitsschritt, da man ja keine CAD-Daten von den Herstellern bekommt. Ich hatte in meiner Entwicklungszeit, soweit ich mich erinnern kann, keinen der direkt gepasst hat. Die mich kennen wissen, das es mir manchmal mein Perfektionismus im Weg steht.

Spielfeld mit Mikrofasertuch reinigen.

Bei meinem Protektor muss ich oben rechts und an den Slingshots Anpassungen vornehmen. Es sieht so aus als wäre das Modell Taxi schnell entstanden und ohne große Test und Feedback in Serie gegangen, da die Schnittkurven teilweise erheblich von den Ballführungen abweichen. Eventuell bin ich da aber mit meinem Ansicht alleine.

Wenn alle Anpassungen abgeschlossen sind und der Protektor schwimmend passt. Kommt der nächste Schritt. Protektor herunter nehmen und das Spielfeld am besten mit einem Microfasertuch reinigen. Es sollte möglichst kein Schmutz auf dem Spielfeld sein.

Schutzfolie zur Spielfeldseite abgezogen (Quelle: PinNin)

Nach dem Abziehen der Folie auf der Unterseite ist die sehr wahrscheinlich elektrostatisch geladen und zieht den Schmutz magisch an :-). Jetzt die Folie der Unterseite abziehen, also die die auf dem Spielfeld war. Wer die Möglichkeit hat Ionisierte Luft zu benutzen, sollte das beim Abziehen machen. Beim abziehen den Protektor vom Körper entfernt halten und nach Möglichkeit keine Sachen tragen die staubig sind oder flusselig. Die Folie fallen lassen und den Protektor zügig und direkt auflegen.

Nach dem Auflegen mache ich es so, dass ich Teile wo ich später die obere Folie schlecht ab bekomme, anlösen oder schon zur Mitte ziehe. Alles was an Folie nicht ab muss bleibt erst mal drauf. Das sorgt dafür das der Protektor zumindest bis zum Ende etwas geschützt ist.

Jetzt alles wieder rückwärts montieren, Folie abziehen und das wars*.

* Dem fachkundigen oder interessierten Leser ist sicher aufgefallen, dass ich ein Kleinigkeit beim Zusammenbau vergessen habe. Das wurde aber anschließend korrigiert. Fotodokumentation und konzentriert arbeiten muss ich wohl noch üben ;-).

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Allgemein Reparaturen

Überarbeitungen

Wie bei vielen Projekten, Aufhübschungen oder Überarbeitungen steht die Optik im Vordergrund, da es das ist was meiste eher beeindruckt bzw. den größten Effekt hat. Folgend ein paar Gedanken, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, laienhaft geschrieben und weit weg vom Perfektionismus ;-).

Wenn man bei einem 50 Jahre alten eingestaubten Oldtimer den Lack richtig schön aufpoliert bekommt, macht es bei den meisten mehr Eindruck.

Im Vergleich, das gleich Auto einmal abgespritzt und den Motor samt Technik überholt. Mit Motor überholt/restauriert meine ich den Motor in aller Teile zerlegen und mit dem Zusammenbau alle Teile auf Toleranzen geprüft, oder entsprechen fachlich richtig Instandgesetzt zusammengebaut.

Stelle man beide Autos danach zum Verkauf hin, ist es wohl sehr wahrscheinlich für das aufpolierte mehr Geld zu bekommen. Spätestens wenn man nach dem Kompressionskärtchen fragt, trennt sich Spreu vom Weizen.

Was ist den eigentlich das Kompressionskärtchen beim Flipper?

Na ja, ein Kompressionskärtchen gibt es nicht bei Flipper, aber je Flippergeneration sollte man auf verschieden Punkte achten. Da es heute so viele verschiedene Generationen von Technik bzw. Elektronik über verschiedene Hersteller gibt, kann ich das nicht auf einen Punkt bringen. Folgend nur ein paar exemplarische Anmerkungen zu den gängigen Herstellen wie Bally, Williams, Midway, Data East, Sega, Stern. Bei Herstellen wie Zaccaria, Gottlieb und diversen anderen kann es sehr schwer werden manche Teile zu bekommen. Über die Zeit haben sich aber auch Experten gefunden die sich auf einen Teilbereich der Flipperteile spezialisiert haben. Ein Beispiel wäre Markus Huber vom Flipperwerk für Platinen.

Leider erlebe ich es immer wieder, wie die letzten 20 Jahre, dass Spieler/Laien häufig nach einem generellen Lösung fragen. Meine Antwort ist immer, jedes Problem und jeder Fehler sollte separat betrachtet werden. Es wäre schon, aber es gibt in den meisten Fällen keine Standardlösungen! Nicht umsonst gibt es Experten die viele Jahre in ihre Ausbildung investiert haben ;-).

Eine Achse der Count Unit auf der sich ein Plastikteil bewegt ist verrostet. (Quelle: PinNin)

Zurück zu den Flippern. Ich fange mal mit EMs an. Bin ich auch im vorherigen Beitrag mal drauf eingegangen. Wenn Flipper hübsch aussehen, geht der Blick erst mal unter die Haube. Also bei Ems die Schreibe runter und das Spielfeld hochgeklappt. Der erste Blick verrät meist wie viel Mühe sich jemand gemacht hat ein Gerät zu überarbeiten. Erster Punkt sind Flipperkontakte. Jemand der nicht gewillt ist neue Flipperkontakte ein zu bauen, ist meist ein Sparfuchs und hat nur das nötigste gemacht. Oft sieht man nur Bilder von den Flippermechaniken wo Verschleißteile erneuert wurden. Meist hat es danach aber aufgehört. Zu einer guten Überarbeitung gehört aus meiner sicht, dass man sich „alles“ mal anschaut. Der Teufel steckt wie immer im Detail.

CPU Williams System 6 mit ausgelaufenen Batterien (Quelle: PinNin)

Exemplarisch bei den EEs (Early Electronics) hilft ein Blick ins Kopfteile (Backbox). Ist die Pufferzelle/sind die Batterien für den Speicher ausgelaufen und die Leiterbahnen der CPU-Platine aufgeblüht, sind direkt ein paar hundert Euro für Ersatz fällig (200-500 Euro je nach Defekten und Gerät). Aber glücklicherweise gibt es heute endlich vernünftige Ersatzplatinen. Sind alle Verbinder ordnungsgemäß? Gerne sieht man Dosen-, Lüsterklemmen oder aufgelötete Leitungen.

Je nach Lagerung der EEs kommt es jetzt häufiger vor, das sich der Kleber der Inserts verabschiedet. Da sollte man auch mal testen ob die schon lose sind um böse Überraschungen zu vermeiden. Highlights sind auch wen schwarze Stellen auf dem Spielfeld schnell mit einem Edding beseitigt wurden. Bei Abspielungen sollte auch geschaut werden, ob der Lack so schlecht ist, dass er weiter weg bröselt. Gilt natürlich auf für Ems.

Wenn bei einem EE nur die GI (statische Hintergrundbeleuchtung die mit dem Einschalten an geht) funktioniert und sonst alles dunkel ist, sollte man erst mal Kosten für Displays einkalkulieren. Es gibt sicherlich noch gebrauchte Plasmadisplays, aber wer nicht lange suchen möchte sollte für einen Satz LEDs mal 200 Euro einkalkulieren.

Bei den SS (Solid State) ist es sinnvoll zwischen der Flipperhochzeit bis ca. 1997 zu unterscheiden und die Zeit danach. Ich lasse die Pinball2000 mal aus, da sie ja eher (manchmal beliebte) Exoten sind. Der Fokus liegt hier primär auf klassischen WPC-Geräten, wie sie aktuell meist aufgehübscht für viel Geld angeboten werden. Erstaunlich ist bei vielen Anzeigen wie unehrlich Geräte dargestellt werden. Obwohl z. B. auf den Bildern zu erkennen ist das Rampen gebrochen sind, wird geschrieben das sie nicht gebrochen sind. Mechaniken wurden erneuert, aber es ist nicht aufgelistet welche. Usw. Bei den wenigsten Verkaufsanzeigen ließt man, dass mal ein Techniker über das Gerät geschaut hat.

Was auch immer wieder zu sehen ist, das Geräte aus Italien, Spanien, oder dem Osten angeboten werden. Hier sollte man wissen, dass der Begriff „guter Zustand“ oder „gute Basis“ für eine Überarbeitung sehr unterschiedlich sein kann. Also ein Flipper aus Spanien wo alle Inserts risse haben, aber der z.B. durch die salzhaltige Meerluft noch keinen Zinkfraß hat, kann noch im guten Zustand sein ;-).

Soweit so gut. Wenn sich auf die Pirsch nach einem eigenen Gerät macht, sollte es in einem hellen Raum in kaltem ausgeschaltetem Zustand vorfinden. Mit kalt ist hier natürlich Raumtemperatur gemeint. Es wird oft über die Zahnarztspielgelfraktion gespottet, aber ich kann sie verstehen ;-). Ein klassisches Plasma DMD (Dot Matrix Display) sollte nach dem Einschalten sofort vollständig und gleichmäßig angehen. Falls nicht, es gibt nach Größe und Ausführung, entsprechenden Ersatz der einkalkuliert werden sollte.

Startet das Gerät fehlerfrei, geht es weiter mit einem Blick in die Backbox. Wie bei den Ees sollte man erst mal schauen ob die Batterien ausgelaufen sind. Falls sie, wie häufig, ausgelagert sind, sollte geschaut werden ob sie in der Vergangenheit mal ausgelaufen sind. Falls dem so ist, kann es möglicherweise später zu zeitweisen Fehlern kommen. Ich tausche so CPUs aus, da ich in keinem Fall mögliche zeitweisen Fehler haben möchte. Bei einem Privatverkauf hat der Verkäufer den Vorteil nicht in der gesetzlichen Gewährleistung zu sein.

Als nächstes lässt sich meist recht gut erkennen ob, Verbinder verbrannt sind, oder mal erneuert wurden. Der Profi erneuert Verminder mit gleichwertigen, oder besseren Verbindern. Auch benutzt er entsprechendes Werkzeug um sie zu verbinden. Wer Verbinder sieht, wo die Leitungen mit einem Schraubendreher reingedrückt wurden, sollte das Gerät eventuell mal genauer untersuchen.

Ein wichtiger Test bei einem WPC-Gerät ist, dass man in den Flasher-Test geht und mal ordentlich die Flipperfinger über eine Zeit tanzen lässt. Das ist die Simulation für einen Multiball, wo viele Lämpchen, Flasher und die Flipperfinger möglichst gleichzeitig angesteuert werden. Der Flipper sollte in keinem Fall einen Reset machen. ABER, auch wenn er keinen Reset mach kann es sein, dass die Elektronik faul ist. Die Elektronik dieser Gerätegeneration wird von mir als Gewerblicher immer überarbeitet, da ein Teil der Bauteile nach 25 Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit am Ende der Badewannenkurve ist.

Eine Amnerkung zu den Mechaniken. Mittlerweile gibt es recht viele Teileshops. Da bleibt es nicht aus, dass der eine oder andere mal versucht günstigere alternativen zu Finden, oder sie vielleicht billiger in China fertigen zu lassen. Ich habe als ich nach Berlin gekommen bin erst mal als Testingenieur gearbeitet. Bei der Arbeit ging es darum RMAs systematisch zu untersuchen und Fehlerursachen ab zu stellen. Es wurden auch Teile in China gefertigt. Die Erfahrung zeigt, dass die Chinesen mit den richtigen Vorgaben gute Qualität abliefern, da sie sonst nicht bezahlt werden. Das setzt aber voraus, dass die Teile und eventuell sogar Mess- bzw. Prüfmethoden vorgegeben werden! Bei einigen Flipperersatzteilen scheint da ordentlich was schief zu gehen. Dummerweise erlebe ich es fast an jedem Flipper, dass schlechte Neuteile verbaut wurden. Das bezieht sich nicht nur auf WPC-Geräte.

In der Zeitreise erlebt der Flipper bis ca. 2002/03 keine guten Jahre. Stern war als letzte Herstelle fast pleite und hat sich, wie wir heute wissen mit Dave Peterson ein einen guten Mann als Investor geholt. Die Generation Stern Whitestar mit Titeln wie LOTR und TSPP sorgte dafür dass Stern weiter machen konnte. Die Whitestar Generation kommt in die Jahre und bei diesen Geräten sollte man sich z.B. den Verbinder auf dem PDB (Power Driver Board) über dem großen Kühlkörper anschauen. Wenn er braun ist und zerbröselt, kann für eine vernünftiger Erneuerung durchaus mal eine Stunde in Land ziehen. Wenn beide Seiten erneuert werden müssen und die Leitungen ordentlich oxidiert sind, ist das so. Sonst hat man bei der Generation auch mal kalte Lötstellen.

Wer ein Whitestar Gerät hat sollte darauf achten die Batterien regelmäßig zu tauschen, oder eventuell die Batterien aus zu lagen. Ein defektes Whitestar-Platine kann teuer werden, wenn es zu bekommen ist.

Es tauchen jetzt auch mal NIB Geräte aus der Zeit auf. Die erste Frage sollte sein, ob die Batterien vor der Einlagerung entfernt wurden. Unter dem Gesichtspunkten ist es dann aber kein wirkliches NIB Gerät mehr, könnte man vielleicht sagen ;-).

Es geht weiter zu SAM, die Folgegeneration von Stern. Da sie noch nicht „so alt“ sind laufen sie eigentlich noch recht stabil. Wobei mir ein schöne Anekdote zu einem selbst verkorksten Verbinder auf der CPU-Einfällt.

Der Kunde behauptete seine Flippermechaniken sind seit dem Kauf (vor 3 Jahren) immer schlapp. Als ich die Mechaniken testen wollte, war es nicht möglich. Kurz nach, oder sofort nach dem dem Startup gab es Resets durch eine fehlerhafte 5V zur CPU. Es stellt sich schnell raus, das der 5V Verbinder zur CPU die Ursache war. Die Vermutlich hat er durch vielfaches Auf- und Abstecken seines Backpanel-Modding, das an der 5V der CPU hing, den Verbinder verschlissen. Mal abgesehen davon, dass man die 5V der CPU nicht für LED-Moddings anzapfen sollte.

Hmmm, schon viel zu viel für einen kurzen Eintag geschrieben. Ich kneife mir mal, alles was danach von Stern, JJP und American Pinball gekommen ist. Ist ja noch jung und die Kinderkrankheiten sollten durch sein.

Also Augenauf beim Flipperkauf. Wenn ihr als Laie privat kauft, nehmt euch jemanden mit der Erfahrung hat um kein Ü-Ei zu kaufen.

Bevor es Untergeht. Jedem ist klar, wenn er zum Beispiel die Leistung seines Autos verändert, es tiefer legt, die Länge verändert oder was aus immer, muss es abgenommen werden. Eventuell braucht er eine Neuabnahme. Kaum einer würde mit so einem Auto eine Anzeige riskieren.

Beim Flipper ist es grundsätzlich genauso. Hier mal ein Auszug aus „Prüfung ortsfester und ortsveränderlicher Geräte“ von Klaus Bödeker. Bezieht sich auf die Betriebssicherheitsverordnung (DIN VDE 0701-0702).

Quell: „Prüfung ortsfester und ortsveränderlicher Geräte“ von Klaus Bödeker
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EMs reparieren

Grundplatte nach der Überarbeitung (Quelle: PinNin)

Ich wurde in der letzten Zeit öfter mal gefragt, ob ich auch elektromechanische Flipper (EMs) repariere. Oft höre ich dann, das kann nicht viel sein. Oder das ist bestimmt nur ein Kontakt der justiert werden muss.

Ja, ich repariere EMs. Aber …

Der Glaube es ist nicht viel, oder es kann nur ein Kontakt sein, dürfte fast immer falsche sein. Auch wenn ich es jedes mal höre. Ein paar Beispiel um vielleicht besser zu verstehen warum die Annahme wohl möglich falsch ist.

Beispiel 1: Die die einen älteren Verstärker haben kenne es bestimmt. Der Lautstärkesteller kratzt oder manchmal fällt ein Kanal aus. Ursache ist z.B. die Oxidation über die Zeit an den Potis oder den Kontakten vom Endstufenrelais. Die Aussetzer oder das Kratzen bekommt man durch Lauter machen, oder häufigeres Drehen des Potis meist über längere Zeit hin.

Alter Hinweis vom Hersteller zu den Bakelit-Abstandshaltern
(Quelle: PinNin)

Beispiel 2: In einem EM sind zwischen den Kontaktblättern Bakelitplättchen als Isolation und um den richtigen Abstand zu gewährleisten. Diese verändern sich ein wenig über die Zeit, so dass sich auch die Abstände der Kontakte zueinander ändern. Die Flipper sind jetzt Teilweise über 50 Jahre alt und die Plättchen hatten viel Zeit sich zu verändern ;-).

Beispiel 3: Bei der alten Relaistechnik, auch liebevoll Klappertechnik, hat man gewöhnlicherweise keine Freilaufdioden verwendet. Freilaufdioden oder manchmal Kondensatoren, oder RC-Kombinationen, habe die Funktion Funken zu verhindern (man sagt auch löschen). Oder anders, den Kontaktabbrand zu reduzieren. Mit jedem Funken der Entsteht wird das Kontaktmaterial etwas verändert, es „verbrennt“. Eventuell haben jetzt viele die verbrannten Flipperkontakten noch von den Flippern aus den 80‘ern vor den Augen. Je nach Funktion gibt es Kontakte die durch den Abbrand nachjustiert werden sollten, oder andere durch den Alterungsprozess.

Spieler- und Ball-Zähleinheiten (Quelle: PinNin)

Wenn ich als Gewerblicher nur an eine paar Kontakten arbeite, um den Flipper wieder in Gang zu setzen, ist es für den Laien nicht unbedingt ersichtlich welche das waren. Folglich bin ich auch in der Gewährleistung, wenn danach ein anderer ausfällt. Da kann sich schnell zu einem Fass ohne Boden entwickeln.

Deshalb repariere ich nur EMs die ich selber technisch komplett Überarbeitet habe.