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Gottlieb Überarbeiten 2

In dem Beitrag geht es unter Anderm nochmal um das Grounding bei System 80B. Auf dem Bild ist die Transformatoreinheit zu sehen, wenn man von links in Kabinett schaut.

Genauer geht es um drei Sachen. Den Schutzleiter der mit der Masse (Ground) zusammen liegt (grüne 1), alle zusammengeführten Masseanschlüsse (grüne 2) und die Gleichrichter mit Elko (grüne 3).

Auf dem gezeigten Bild gabe es wohl schon mal Masseprobleme, wodurch die Anschlussstecker der weißen Masseleitungen fehlen und direkt an die Gegenstücke angelötet wurden. Das ist also nicht mehr original.

Der Schutzleiter

Obwohl er die meiste Zeit seines Lebens nutzlos rumliegt ;-), ist der Schutzleiteranschluss wichtig. Und ich als gewerbliche bin sogar verpflichtet ihn zu prüfen. Bei meinem Beispielgerät war es auch dringend nötig ihn instandzusetzen. Vorab aber mal ein Bild zum Schutzleiter, das ist die grün-gelbe Leitung die mit dem Netzkabel ins Gerät kommt.

Auf dem Ersten Bild ist zu sehen, dass der Schutzleiter mit einer Öse auf das Durchführungsblech geschraubt ist. Über das Blech und eine weitere Verschraubung ist er mit den Massebändern verbunden.

Da das Gerät sehr lange feucht gelagert wurde, waren/sind die Metallteile recht stark angerostet. Abgesehen davon war die Mutter des Schutzleiters und die der Massebänder lose. Das hat dazu geführt das der Schutzleiter nicht mehr mit dem Blech und folglich mit der Masse verbunden war. Es hätte also problemlos jemand im Gerät die volle Netzspannung bis ins Kopfteil legen können, um eine neue Leichtstoffröhre mit voller Netzspannung von 230V anschließen zu können. Mit nicht angeschlossenem Schutzleiter kann die Netzspannung sogar bei einem Defekt an der Lockbar anliegen ohne, dass der FI (RCD) im Sicherungskasten auslöst!

Auch wenn es nach einem konstruiertem Beispiel klingt, habe ich es schon mal bei einem Stern Gerät, als ich noch fürs PU gearbeitet habe, in den Originalzustand zurück versetzt.

Jetzt mal wieder zurück zum Schutzleiter. Auf der Pinwiki Seite für Gottliebs habe ich dazu nichts gefunden. Also nochmal in aller Klarheit, ohne Schutzleiter kann auch ein Flipper lebensgefährlich sein. Also den Schutzleiter immer prüfen, und das bei allen Geräten!

Ich bin leider noch nicht fertig, den bei meinem Gerät ging es dann mit den Massebändern weiter. Die ziehen sich ja durchs Gerät und gehen auch zum Transformatorblech.

Auch an den Massebändern zum Transformatorblech musste ich Hand anlegen. Auch die Stellen waren so verrostet, so dass sie gereinigt und neu angeschraubt werden mussten.

Masseanschlüsse (Grounding)

Das ist wahrscheinlich der interessanteste Punkt für die meisten, da ja der Flipper gut laufen soll :-).

Beim Gottlieb System 80B sind alle Masseleitungen zum Transformatorblech geführt und verbunden. So viel zur Theorie. In der Praxis gibt es an der Stelle öfter mal Probleme, da die Verbindungen über die Zeit wohl altern und nicht mehr so gut sind. Um die Übergangswiderstände zu beseitigen gibt es verschiedene Lösungsvorschläge. Die Problematik ist in ausführlicher Version im PinWiki auch in Englisch zu finden. Auch wurde es bei TNT Amusement Folge #690 thematisiert.

Welche Lösung auch immer verwendet wird, sie sollte ordentlich umgesetzt werden. In meinem Fall waren die Leitungen gut angelötet. Was durch die Feuchtigkeit nicht mehr gut war waren die Verbindungen der Abstandshalter zum Blech. Die mussten nachgearbeitet werden.

Platinen zum Anschlzss der Masseleitungen (Quelle: PinNin)

Hier noch eine wichtige Anmerkung bzw. Erfahrung vom Gottliebhaber Rainer.

Vielschichtiges Thema , jedoch sollte man beachten dass es zu keinerlei Verbindung zwischen der AC ( Schutzleiter ) und dem DC Ground kommen sollte !

Ich selbst erlebte an meinem VOLCANO was es bringt, beide Potentiale zu vereinen, es werden auf einmal wie von Geisterhand die Droptargets im Standby hochgestellt, und das im Zeitlupen Tempo.

Rainer (Dr. Boely)

Was er damit meint ist, die Massebänder die es überall im Gerät gibt in keinem Fall als Masse anzapfen! Er hat es nicht weiter ausgeführt, aber für mich klingt es nach einem typischen Masseschwingen was da entstanden ist, wodurch sich Potentiale verschieben können.

Das mag eventuell in vielen Fälle funktionieren, aber muss nicht. Systeme sind meist so konstruiert, dass die Massen in einem Punkt (Sternpunkt) zusammen geführt werden.

Die gleiche Problematik haben wir wenn alle möglichen Leute ihre Flipper modden, kaum einer prüft vorher welche Masse er für sein Modding verwendet. In den meisten Fällen funktioniert es problemlos, aber in manche kommt es zu Potentialverschiebungen und die Geräte spinnen zeitweise.

Gleichrichter mit Elko

Jetzt zum letzten Punkt, dann soll es auch für den Eintrag reichen.

Die meisten Geräte haben schon viele Jahre gearbeitet und entsprechend auch die Bauteile. Da die Wärmeleitpaste der Gleichrichter eh schon vertrocknet ist, kann man im Zuge der Erneuerung dem Gerät auch mal drei neu Gleichrichter spendieren. Auch der Elektrolythkondensator (Elko) kann in dem Zuge erneuert werden.

Wenn man die Kapazität der alten Elkos misst, muss man oft mit erstaunen festellen, dass sie meist noch im Toleranzbereich ihrer Kapazität sind. Selbst wenn sie schon dicke Backen haben. Dicke Backen bedeutet, sie sind aufgequollen und waren eventuell mal kurz vorm platzen. Das ist kein gutes Zeichen ;-).

Was meist nicht gemacht wird ist den ESR-Wert zu messen. Das ist eine Art Widerstandswert der bei der Art von Kondensatoren klein sein sollte. Da sie über die Zeit aber austrocknen vergrößert er sich. Von daher besser einfach mal mit tauschen.

Schutzleiter Teil 2

Ergebnis der Isolationsschutzprüfung

Natürlich habe ich am Ende meine Arbeit mit einem Isolationsschuzmessgerät geprüft ob meine Arbeit am Schutzleiter gut war. Möchte ja ruhig schlafen können wenn ein Pin meine Werkstatt verlässt. Die Messung habe ich an der Lockbar durchgeführt. Ein RPE =0,28 Ohm (Grenzwert 0,3 Ohm) ist recht hoch. Hier sei für die Experten angemerk, dass die Netzleitung 3x 0,75mm² mit 5m ist. Auch habe ich die Messung nur mit 250V durchgeführt um das Risiko zu minimieren mir die überarbeiteten Platinen wieder zu zerschießen 0:-).

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Günstige Flipper

Ich hatte im alten Jahr zwischen den Tagen noch eine Reparaturanfrage von einem Beat the Clock von 1985. Der Kunde wohnt etwas weiter Weg und fragte ob ich ihm helfen kann und wie wir seinen defekten Flipper wieder ans laufen bekommen.

Mit Erlaubnis des Kunden ein paar Hintergrundinformationen zu der Story. Der Käufer hat den Flipper für 800-900 Euro in seiner Nähe über eBay gekauft. Er sollte voll funktionstüchtig und sofort spielbereit sein. Als er ihn beim Verkäufer abgeholt hat, war der zufällig gerade dabei ihn abzubauen und hatte schon die Kugeln raus. Auf nachfrage hat er ihn nochmal kurz ohne Kugeln eingeschaltet und die Beleuchtung ging sofort an. Er versprach dem Käufer das alles wie besprochen in Ordnung ist. Es wurde kein Probespiel gemacht. Im Guten glauben dass der Verkäufer ehrlich ist, wurde der Pin eingepackt und mitgenommen. Zuhause aufgestellt ging er dann nicht mehr.

Ich denke der erfahrene Leser hat das schon zigfach gehört und ihm ist auch klar das nur die GI beim Verkäufer angegangen ist. Auch gibt es auf diversen Plattformen Bilder wo nur die GI an ist und der der Flipper als funktionstüchtig angeboten wird. Dazu aber weiter unten noch ein paar Tipps.

Bei Anfragen lasse ich mir immer Bilder oder Videos schicken und auch das Fehlerbild erklären. Im Fall von dem Beat the Clock habe ich ein Video vom Spielfeld und der Backbox bekomme. Es ist auf den Videos zu sehen, was kurz nach dem Einschalten passiert. Auf dem Spielfeld geht die GI an. Ist erst mal unwichtig, da sie unabhängig von der CPU läuft.

Backbox Beat the Clock Bally 1984 (Quelle: Kunde)

In der Backbox ist zu sehen, das die CPU LED drei mal blinkt. Bei der CPU müsste sie 8x blinken. Das blinken des Sound-Boards ist OK und es kommt normal hoch. Auf dem Bild ist Backbox vom Kunden zu sehne.

Backbox Beat the Clock Bally 1984Auf dem Video war der untere Teil nur kurz im Schwenk zu sehen. Dem versierten Leser fällt sicherlich auf, dass an dem Gerät etwas verändert wurde. Für die die sich mit der Bally 6803 Generation nicht so gut auskennen ein Vergleichsbild von der IPDB.

Bei einem Auto ist es selbstverständlich dass ich eine Abnahme brauche, wenn ich die Leistungsdaten ändere. Das ist bei Elektrogeräten auch so, sie verlieren ihre Betriebserlaubins. Also der entscheidende Punkt an dem Gerät ist, jemand hat einen anderen Trafo eingebaut. Auch wenn ein Ringkerntrafo „etwas besseres ist“, ist das Gerät so nicht abgenommen worden und verliert die Betriebserlaubnis. Oder anders, wenn ich zu einem Kunden mit so einem Gerät gerufen werde, gibt es drei Möglichkeiten. Die erste ist, ich nehme es außer Betrieb. Die Zweite ist, der originale Zustand wird wieder hergestellt und die Betriebssicherheit gewährleisten zu können. Und die dritte ist der Kunde lässt sich das Gerät, von wem auch immer abnehmen.

Hier sind wir wieder bei dem Punkt, wer haftet wenn am Flipper gepfuscht wurde. Hatte ich schon in einem vorherigen Blog mit dem Wild Wheels was zu geschrieben.

Also habe ich den Kunden natürlich darauf hingewiesen wie die Situation ist und ihm angeboten den Originalzustand wieder herzustellen. Da es natürlich zwischen den Tagen doof ist eine Flipper gekauft zu haben der nicht läuft und eventuell noch mehr Schäden hat gab es noch Tipps, was zu tun wäre, wenn der Pin original wäre.

Den Rest zu Möglichkeiten wie es weiter ging lasse ich hier mal weg. Mir geht es mehr darum mal wieder darauf hin zu weisen, dass es für den unerfahrenen Laien eher keine günstigen Flipper gibt.

An der Stelle aber mal ein paar Tipps die vielleicht helfen nicht so schnell auf die Nase zu fallen.

  • Wenn es euer erster Flipper ist, kauft ihn beim Händler eures Vertrauens mit Gewährleistung. Aber auch da gibt es leider schwarze Schafe, wenn ihr ein gebrauchtes Gerät kauft. Bei dem speziellen Händler ist es sogar passiert, dass er ein NIB-Gerät mit Topper im Karton angeboten hat. Ist aber wohl eher die Ausnahme.
  • Bei den meisten Flipper die von privaten Verkäufern angeboten werden, liegt der Fokus auf der Optik. Die Verkaufspreise sind vergleichbar mit den Händlerpreisen, nur gibt es keine Gewährleistung. Selbst wenn sie etwas günstige sind sollte es ohne Kenntnisse keine Alternative sein. Es sollte von der Annahme ausgegangen werden, je älter der Flipper, desto eher gibt es versteckte technische Mängel. Am Auto kann fast jeder den Lack aufpolieren, einen Motor vernünftig überholten viel weniger.
  • Bei Angeboten die nur Bilder zeigen wie schön das Gerät ist, sollten unbedingt Bilder zur Elektronik und Technik angefragt werden und mit einem der sich mit Technik auskennt beurteilen lassen. Der Terminator 2 soll/sollte weit über 8000 Euro kosten und sieht von außen perfekt aus. Neue Decals, Playfield, viele Sonderteile, usw. Von innen sah die Welt ganz anders aus.
  • Vor dem Kauf von Gebrauchtgeräten sollte Vor-Ort die Beschreibung geprüft werden. Es sollte jemand dabei sein der sich mit der Technik/Elektronik gut auskennt. Der Punkt ist eher relevant, je älter die Geräte sind.
  • Angebote wo vorab Geld überwiesen werden soll um sicher den Zuschlag zu bekommen, haben sich schon öfter als Abzocke erwiesen.

Wenn och Fragen oder Anregungen hat, kann mir gerne eine Mail schicken.